Gelöschte Bilder und Videos wiederherstellen

Es kann so schnell gehen und die geliebten Kinder- oder Urlaubsfotos sind weg.

Er, zuständig für Datensicherung und -archivierung. Sie, zuständig für Fotoaufnahmen des Kindes. Doch was passiert, wenn die Speicherkarte voll ist und Sie vor dem Löschen denkt, Er hätte die Fotos bereits gesichert…

Goldene Regel 1: Nichts mehr anfassen!

Nun ist es passiert. Gelöscht, im Datengrab versenkt, unwiederbringlich verstört. „Aber ich dachte, du hättest…“ . Videos von den ersten Schritten. Einmalige Fotos.

Wie an einem Krimi-Tatort sollte man alles so lassen, wie es ist. Kamera aus, Karte entfernen, Schreibschutz aktivieren. Glück im Unglück: normalerweise werden die Daten nicht von der Karte oder Festplatte gelöscht, sondern lediglich aus dem Inhaltsverzeichnis entfernt.

(Man stelle sich eine große Bibliothek vor. Am Eingang befindet sich ein Buch, in dem alle Bücher und deren Lagerplatz inkl. Buchgröße verzeichnet sind. Sucht man ein Buch, schaut man darin nach. Wird ein Buch aus dem Angebot genommen, wird es aus diesem Verzeichnis gelöscht – der Platz wird frei. Das alte Buch bleibt einfach so lange drin, bis ein neues Buch an diesen Lagerplatz soll.)

Der nächste Schritt unterscheidet sich vom verwendeten Betriebssystem.

Goldene Regel 2: Backup machen, nicht mit dem Original arbeiten

Die Theorie ist nun, eine hundertprozentig identische (auch bitweise genannt) Kopie der Speicherkarte zu machen. Denn: jeder Zugriff könnte die gelöschten Dateien überschreiben. Möglicherweise wären sie auch dann noch reparierbar, allerdings macht das die Sache nicht leichter. Daher: sicher ist sicher. Linux bietet dazu das Kommando dd an:

Damit wird eine bit-genaue Kopie der SD-Card gemacht. Unter Windows wären entsprechende Pendants Acronis, HD Clone oder USB Image.

Goldene Regel 3: PhotoRec bitten

PhotoRec ist kein Aufnahmeprogramm (Recording) für Photos, sondern ein Wiederherstellungsprogramm (Recovery). Bezogen auf das Bibliotheksbeispiel: Es geht durch die Gänge und Regale und findet Muster, die nach Bücher aussehen (also aus Papier bestehen, einen Einband haben, evtl. ein Titel drauf) und nicht in dem großen, dicken Buch am Eingang stehen.

Das Programm steht unter der GNU/GPL und ist für Windows, Linux und Mac verfügbar. (Für Windows-Nutzer ist es gewöhnungsbedürftig, da es im Befehlsfenster arbeitet. Aber he, es rettet die gelöschten Daten für lau…) Ubuntu-User finden es in den Repositories.

 

/d gibt das Ziel der Bilder an, danach folgt der Pfad zur Datenquelle, hier ist es die Image-Datei der Karte. Es könnte genauso gut auch /dev/sdc1 sein, jedoch verweise ich nochmal auf die Golden Rule Number 1.

Der Rest ist ein Kinderspiel

In meiner Datenquelle hat PhotoRec ein Medium gefunden und fragt, ob das das Richtige sei… Oben das Medium angeben und unten mit „Proceed“ (das kann man am Anfang echt übersehen) fortfahren.

 

 

 

 

Es wurde eine Partition gefunden. Werden HDD-Images genutzt, können es auch mehrere Partionen sein. Alternativ nimmt man den oberen Eintrag, der nimmt die ganze Disk.

 

 

 

 

Nun wird man gefragt, mit welchem Filesystem die Partition formatiert wurde. Bei USB-Sticks oder SD-Cards ist es in der Regel FAT

Und schon werden Bilder und Filme gefunden und wiederhergestellt.

 

 

Strahlende Augen, wenn die Bilder wieder am Monitor auftauchen, sind versprochen…

Technischer Hintergrund: Wenn Windows oder Linux Dateien löschen, werden sie nicht wirklich entfernt (siehe oben, Bibliotheksmetapher). Darum sollten auch verkaufte oder verschenkte Datenträger einmal komplett, Bit für Bit, mit Nullen beschrieben werden. Das wäre, als wenn jeder Bücherregalplatz einmal mit zerknüllten Zeitungspapier vollgestopft wird und alles, was drin war, entsorgt wird.

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Ein Gedanke zu „Gelöschte Bilder und Videos wiederherstellen

  1. Ich habe gerade den ultimativen Selbsttest gemacht: PhotoRec kann sehr vieles herstellen, sogar die (Aufnahme)Zeiten der Bilder (aber nicht der Filme, zumindest in der bei mir installierten Version). Noch besser als PhotoRec ist aber die Undelete-Funktion des TestDisk-Programmes. Sowohl TestDisk als auch PhotoRec sind Teil des gleichen Paketes. PhotoRec verändert beispielsweise gefundene JPEG-Dateien – es scheint Meta-Informationen am Ende der Dateien abzuschneiden. Die Undelete-Funktion dagegen stellt die Dateien im Originalzustand wieder her und das sogar mit dem originalen Dateinamen – mal abgesehen vom jeweils ersten Buchstaben. Mit der Undelete-Funktion konnte ich alle meine Filmchen retten, mit PhotoRec hingegen nicht. Leider hat auch die Undelete-Funktion manche Bilder nicht komplett wiederherstellen können. Da konnte man nur die Vorschau vollständig sehen und das eigentliche Bild war unten abgeschnitten. Derartige Bilder hat PhotoRec ganz ignoriert.
    Deswegen meine Empfehlung: Zuerst immer TestDisk/Undelete versuchen und erst im zweiten Anlauf PhotoRec.

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